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Das griechische Wort – die richtige Betonung liegt auf
dem ersten oder letzten a! - bedeutet "Zerstreuung" und wird im
religiösen Sinn für die Minderheitssituation einer Glaubensrichtung unter
Andersgläubigen gebraucht.
An drei Stellen im Neuen Testament ist von den an Jesus
Glaubenden "in der Zerstreuung" die Rede (Jh. 7,35; 1. Ptr. 1,1;
Jak. 1,1). Darin drückt sich die frühchristliche Erfahrung aus, dass
Christen in ihrer Umgebung vereinzelt oder zerstreut sind. Das kann
bedeuten: von der Mehrheit übersehen, benachteiligt, ja verfolgt zu
werden. Es hat manchmal aber auch die Chance, gerade besonders beachtet zu
werden und wie das Salz in der Suppe zu wirken.
Gesichter der Diaspora
Von "religiöser Diaspora" spricht
man, wenn z. B. eine christliche Minderheit in einem islamischen oder
buddhistischen Land lebt. Das ist eine Situation, die oft mit Verfolgung,
Bedrohung oder schweren Repressionen einhergeht, z. B. dem Verbot, Kirchen zu
bauen, Pfarrer auszubilden, öffentliche Gottesdienste zu feiern oder andere
Menschen einzuladen und zu gewinnen. Umgekehrt gibt es auch in christlich
geprägten Ländern Diaspora anderer Religionen, die aber meist sehr tolerant
behandelt wird.
Von "konfessioneller Diaspora"
spricht man, wenn eine christliche Glaubensrichtung in der Minderheit gegenüber
einer vorherrschenden (oft staatstragenden) anderen christlichen
Glaubensrichtung lebt. In stark orthodox geprägten Ländern Osteuropas z. B.
gibt es bis heute eine evangelische und eine katholische Diaspora, im
katholisch dominierten Lateinamerika eine evangelische Diaspora und im
evangelisch-lutherischen Skandinavien eine katholische Diaspora. Es ist
grundsätzlich gut und wichtig, dass diese kleinen anderskonfessionellen
Minderheiten existieren und sie nicht von den Mehrheitskirchen vereinnahmt
werden. Das hat etwas mit dem Respekt vor den Grundrechten der Glaubensfreiheit
und des Minderheitenschutzes zu tun. Damit werden auch das ökumenische
Miteinander und die gegenseitige Toleranz gestärkt, weil die großen Kirchen an
die kleinen denken müssen.
Von "doppelter Diaspora"
spricht man z. B. in den stark säkularisierten Ländern Europas. In Tschechien
etwa sind die Menschen, die sich überhaupt zu einem Glauben bekennen, heute in
der Minderheit. Wenn dann z. B. evangelische Christen nur 1 % der Bevölkerung
ausmachen gegenüber 30 % Katholiken, sind sie eine Minderheit in der
Minderheit.
Von "innerdeutscher Diaspora" sprechen wir, wenn eine christliche Konfession
innerhalb Deutschlands in der Minderheit ist. Das betrifft z. B. evangelische
Christen in Oberbayern, aber auch in kleinen Regionen wie dem Eichsfeld oder in
Teilen der sächsischen Oberlausitz. Das trifft aber auch besonders für
Großstädte und Industrieregionen im Osten (zunehmend auch im Westen) Deutschlands
zu.